
Am 12.04.2010 erschien auf Seite 13 in den Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN ) ein sehr interessanter Artikel zu den geplanten Spielplatzprojekten in Dresden. Freundlicherweise habe ich vom Verlag die Erlaubnis bekommen, den Text hier zu veröffentlichen. Vielen Dank dafür!
Spielplatzbau im Akkord – Stadt streicht Gelder für Investitionen rigoros zusammen und baut trotzdem an 23 Projekten
Von CATRIN STEINBACH
Das riesige Holzgerüst an der Wallstraße zieht viele verwunderte Blicke auf sich und so mancher rätselt, was da wohl entsteht. Ein Klettergerüst – um es auf den Punkt zu bringen. Form und Dimension des Gestells empfinden die „Bastion Merkur“ – eine Stadtbefestigungsanlage – nach. Das Holzgerüst soll ein „Kletterkabinett“ mit vielen verschiedenen, an Seilen hängenden Kletterebenen aus Gummimembran bekommen, zu denen man über diverse Gänge, Rampen und „Kletterkamine“ gelangt. Über die wird man außerdem insgesamt fünf Aussichtsplattformen erreichen können – zwei auf einer Höhe von drei Metern, drei auf einer Höhe von sechs Metern. Zudem bietet das Klettergerüst drei Rutschen, acht Schaukeln und ein Trampolin.
Um das Gerüst herum hat das Dresdner Landschaftsarchitekturbüro May eine Spiel- und Parkanlage für alle Generationen geplant. „Den Parkteil haben wir mit Rasenhügeln, Bäumen und Sträuchern modelliert, so dass man da rumrennen, sich verstecken, sonnen, Picknick machen kann“, beschreibt es Andres Friederici, Leiter des Projektes bei der Firma May. Weiterhin bietet die Anlage Rollerbahn und Sandspielfläche mit Sonnenbank.
Eröffnung der „Bastion Merkur“ an der Wallstraße am 1. Juni
Der Spielplatz „Bastion Merkur“ ist Teil des Planes, die Innenstadt familienfreundlicher zu gestalten. Die Eröffnung des Familienladens an der Altmarktgalerie im vergangenen Jahr war der erste Schritt. Nun folgt also der Zweite. Zum Kindertag am 1. Juni ist Eröffnung. Am 12. Juni soll dann ein Familien- und Kinderfest stattfinden.
Immerhin rund 500 000 Euro kostet der neue Spielplatz. Finanziert wird er aus Mitteln des Fonds „Stadtumbau Ost – Aufwertungsgebiet Mitte“, so Detlef Thiel, Chef des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Die Stadt könnte sich so ein Mammutprojekt alleine nicht leisten. Lediglich 140 000 Euro stehen dieses Jahr für den Neubau und die Neuausstattung von Spielplätzen zur Verfügung. „Geplant waren 425 000 Euro (zum Vergleich 2009: 384 000 Euro). Im Rahmen der Konsolidierung wurde jedoch der überwiegende Teil gestrichen“, so Eva Meyer, Sachgebietsleiterin Planung im Stadtgrün. Auch für die Unterhaltung und Pflege der Spielplätze gibt es mit 230 000 Euro 20 000 Euro weniger als 2009. Und das, obwohl die Zahl der Spielplätze im vergangenen Jahr von 177 auf 186 stieg. Trotzdem werden in diesem Jahr im Akkord Spielplätze gebaut. Zehn weitere sind als Neubau deklariert, zwölf werden rekonstruiert. „Wir haben im Rahmen des Konjunkturpaketes II rund 1,5 Millionen Euro für Spielplätze bekommen“, erklärt Eva Meyer. „Das Geld müssen wir bis Ende des Jahres verbaut haben.“
So wird der alte Blüherpark-Spielplatz nahe des Hygienemuseums durch einen neuen ersetzt, der auf der Fläche der ehemaligen Dynamo-Traglufthalle entsteht. Auf Spenerstraße und Rathener Straße werden Bolzplätze gebaut, am Gondelweg wird der bestehende Bolzplatz rekonstruiert. Zudem legt die Stadt Ruhezonen an und stellt neue Spielgeräte auf. An der Fernsehturmstraße sind eine Festwiese, ein Ballspielfeld und Spielgeräte geplant. Ein weiteres großes Projekt ist zudem der Neubau eines Spielplatzes an der Berliner Straße. „Er wird einer Feuerwache nachempfunden“, so die Planerin aus dem Amt für Stadtgrün. Die 115 000 Euro für die Berliner Straße kommen aus Städtebaufördermitteln, das Geld für die beiden neuen Spielplätze in Gompitz und Dölzschen stammt aus Erschließungsverträgen mit Investoren.
Auch wenn dieses Jahr viele neue Spielplätze entstehen – sie reichen immer noch nicht aus, weiß Eva Meyer aus dem Spielplatzkonzept der Stadt, an dessen dritter Fortschreibung gearbeitet werde. In nahezu allen dichtbesiedelten Gebieten der Stadt – wie z.B. Neustadt, Pieschen oder auch der Friedrichstadt – gebe es ein Spielplatzdefizit.
Besonders Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren könne die Stadt viel zu wenig Angebote machen. Mit Sandkasten und Klettergerüst schlägt man die jungen Leute eher in die Flucht. Auf Sicht will die Stadt die Skateranlage an der Lingnerallee erweitern. Auch die neuen Bolzplätze sind sicher ein kleines Angebot. Ziel ist laut Eva Meyer, das Spielplatzdefizit in 15 bis 20 Jahren abgebaut zu haben. Schaun wir mal.
Visualisierung des gegenwärtig neu entstehenden Spielplatzes an der Wallstraße. Das mächtige Holzgerüst zeichnet die Kontur der Stadtbefestigung nach, die sich einst an dieser Stelle befand, und soll viele Möglichkeiten
zum Spielen bieten.
Geplante Investitionen im Bereich Spielplätze für das Jahr 2010
Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten DNN vom 12.04.2010, Seite 13 “Spieleplatzbau im Akkord” Author: CATRIN STEINBACH, Verlag: Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft mbH & Co. KG